Florfliegen als Nützlinge: Die „Blattlauslöwen“ in Ihrem Garten

Die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea) ist einer der wertvollsten Helfer im biologischen Pflanzenschutz. Während die erwachsenen Tiere sich von Pollen und Nektar ernähren, sind ihre Larven als extrem hungrige Räuber bekannt. Wegen ihres unersättlichen Appetits auf Blattläuse werden sie auch als „Blattlauslöwen“ bezeichnet. Erfahren Sie hier, wie Sie Florfliegen gezielt zur biologischen Schädlingsbekämpfung einsetzen können.

Merkmale und Lebenszyklus der Florfliege 

Die erwachsenen Florfliegen sind etwa 10 bis 15 mm lang, haben einen schlanken, grünen Körper und charakteristische, fein geaderte, durchsichtige Flügel.

Der Lebenszyklus im Überblick:

  1. Eiablage: Die Weibchen legen ihre Eier an langen, dünnen Stielen meist direkt in der Nähe von Blattlauskolonien ab.

  2. Larvenstadium (Der Räuber): Die Larven sind gelblich-braun und besitzen kräftige Saugzangen. In ihrer zwei- bis dreiwöchigen Entwicklungszeit kann eine einzige Larve bis zu 500 Blattläuse vertilgen.

  3. Verpuppung: Nach der Fraßphase spinnen sich die Larven in einen weißen, kugelförmigen Kokon ein.

  4. Überwinterung: Die adulten Tiere überwintern oft in Dachböden, Schuppen oder speziellen Insektenhotels und nehmen im Herbst eine rötlich-braune Färbung an.


Schädlingsbekämpfung durch Florfliegen

Der Nutzen der Florfliege liegt fast ausschließlich im Larvenstadium. Die Larven sind Generalisten und haben ein breites Beutespektrum. Neben Blattläusen fressen sie auch Thripse, Spinnmilben, Woll- und Schmierläuse sowie die Eier verschiedener Schmetterlingsarten.

Jagdmethode der Larven: Mit ihren Saugzangen ergreifen sie die Beute, injizieren ein Verdauungssekret und saugen den Schädling innerhalb weniger Sekunden aus.

Durch den Einsatz von Florfliegenlarven kann der Befallsdruck in Gewächshäusern, Wintergärten und im Freiland massiv gesenkt werden, ohne dass chemische Mittel nötig sind.

Welche Pflanzen profitieren von Florfliegen?

Florfliegenlarven können auf nahezu allen Pflanzenarten eingesetzt werden, die von saugenden Schädlingen befallen sind:

  • Zierpflanzen: Rosen, Orchideen, Hibiskus und viele Zimmerpflanzen.

  • Nutzpflanzen: Paprika, Gurken, Tomaten, Auberginen und Erdbeeren.

  • Obst- und Weinbau: Apfelbäume und Reben profitieren besonders von der Ansiedlung dieser Nützlinge.

Gezielte Ausbringung von Florfliegenlarven 

Im biologischen Pflanzenschutz werden meist die Larven im zweiten Stadium (L2) oder Eier in speziellen Ausbringungseinheiten genutzt.

  • Vorgehensweise: Die Larven werden in einem Trägermaterial (z. B. Buchweizenschalen) geliefert. Dieses wird vorsichtig direkt auf die befallenen Blätter oder in spezielle Verteilungskästen (Bio-Boxen) gestreut.

  • Bedingungen: Florfliegenlarven sind sehr anpassungsfähig, arbeiten aber am effizientesten bei Temperaturen über 15 °C. Sie sind lichtunabhängig und können daher auch in Innenräumen oder Gewächshäusern problemlos eingesetzt werden.


Stamm eines Apfelbaums nach der Anwendung von Nematoden

Florfliegen im Garten fördern 

Um eine dauerhafte Population aufzubauen, sollten im Garten Rückzugsorte geschaffen werden.

  • Nahrungsquellen: Da die erwachsenen Tiere Pollen und Nektar benötigen, locken blühende Wildkräuter und Blumenwiesen die Nützlinge an.

  • Überwinterungshilfen: Spezielle Florfliegenkästchen, die mit Stroh gefüllt und rot gestrichen sind (Florfliegen werden von der Farbe Rot angezogen), bieten ideale Winterquartiere.

  • Pflanzenschutz: Der Verzicht auf Breitbandinsektizide ist die wichtigste Voraussetzung, um die empfindlichen Larven zu schützen.

Zusammenfassung 

Florfliegen sind hochwirksame Allrounder in der Schädlingsbekämpfung. Durch die gezielte Ausbringung ihrer gefräßigen Larven lassen sich Blattläuse und andere Schädlinge auf natürliche Weise unter Kontrolle bringen. Eine Förderung der heimischen Population durch Nützlingshotels und ein blütenreiches Umfeld sorgt für eine langfristige Stabilisierung des ökologischen Gleichgewichts in Ihrem Garten.

Zeitpunkt: Ganzjährig im Innenraum, im Freiland ab Mai. 
Ziel: Schnelle Dezimierung von Blattlaus- und Spinnmilbenpopulationen.

Florfliegenlarven können sehr gut zusammen mit Schlupfwespen oder Marienkäfern eingesetzt werden, um einen synergistischen Effekt bei der Schädlingsbekämpfung zu erzielen.

Nützlinge sollten nach Erhalt sofort ausgebracht werden. Eine kurzzeitige Lagerung ist bei 8–12 °C für maximal 1–2 Tage möglich, um die Vitalität der Larven nicht zu gefährden.